Am 1. Jänner 2026 startete das internationale Forschungsprojekt LABOURFLOWS – Infrastructures of Labour Power Flows. Das Projekt wird von Prof. Ortlieb geleitet und vom FWF mit rund 238.000 Euro gefördert (Gesamtvolumen: ca. 880.000 Euro). Projektpartner:innen sind Prof. Milosz Miszczynski von der Kozminski Universität in Warschau, der auch das Gesamtprojekt koordiniert, sowie Prof. Patrizia Zanoni von der Universität Hasselt. Die Laufzeit beträgt drei Jahre (2026–2028).
Für viele Menschen in Europa ist es in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend schwieriger geworden, stabile und existenzsichernde Arbeit zu finden. Unsichere Beschäftigungsverhältnisse, stagnierende Löhne und wachsende soziale Ungleichheit prägen die Arbeitsmärkte, verstärkt durch Krisen wie die Finanzkrise 2008, die COVID-19-Pandemie und die jüngste Inflation. Diese Entwicklungen wirken sich nicht nur auf einzelne Beschäftigte aus, sondern auch auf gesellschaftliche Herausforderungen wie demografischen Wandel und Arbeitskräftemangel.
Hier setzt LABOURFLOWS an. Das Projekt untersucht, wie prekäre Arbeitsverhältnisse entstehen, welche Strukturen sie stabilisieren und unter welchen Bedingungen sich Arbeits- und Lebensverhältnisse verbessern lassen. Im Mittelpunkt steht das Konzept der Arbeitsinfrastruktur: ein meist unsichtbares Zusammenspiel aus Institutionen, Gesetzen, Arbeitsvermittlungen, politischen Rahmenbedingungen und sozialen Sicherungssystemen, das steuert, wie Arbeitskraft eingesetzt, erhalten und weitergegeben wird. Denn Arbeiten ist nur möglich, wenn grundlegende Voraussetzungen wie Wohnen, Gesundheit, Bildung und soziale Absicherung gewährleistet sind.
Empirisch untersucht das Projekt große Logistikstandorte in Polen, Belgien und Österreich. Die Logistikbranche wächst stark, ist aber zugleich häufig von schlecht bezahlter und unsicherer Arbeit geprägt, die überdurchschnittlich oft von Migrant:innen und anderen benachteiligten Gruppen ausgeübt wird. Der derzeitige Arbeitskräftemangel macht die Schwächen bestehender Arbeitsinfrastrukturen besonders sichtbar.
Ziel von LABOURFLOWS ist es, diese verborgenen Strukturen besser zu verstehen und Ansatzpunkte für eine gerechtere und nachhaltigere Gestaltung von Arbeit zu entwickeln.