Ortlieb, R. & Ressi, E. (2026). Karriere mit Umwegen? Geflüchtete in der betrieblichen Ausbildung. PERSONALquarterly, 02/26: 28-33.
Abstract
Mit fast 40 Millionen Menschen, die infolge von Krieg, Umweltkatastrophen oder persönlicher Verfolgung Schutz in einem anderen Land suchten, erreichte die Zahl der Geflüchteten zum Jahresende 2024 weltweit ein Allzeithoch (UNHCR 2025, S. 2). Die gesellschaftliche Integration dieser Menschen wird in Politik, Wissenschaft und öffentlichen Medien – nicht erst seit dem „langen Sommer der Migration“ im Jahr 2015 in Europa – als eine der zentralen Herausforderungen anerkannt. Die Arbeitsmarktintegration spielt dabei eine Schlüsselrolle, da ein Erwerbseinkommen den Geflüchteten nicht nur ermöglicht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und Beiträge zur Sozialversicherung zu leisten, sondern Arbeit wird als eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und den Aufbau sozialer Netzwerke angesehen (Expertenrat, 2024). Gleichzeitig haben viele Unternehmen ein starkes Interesse daran, Geflüchtete als Arbeitskräfte zu gewinnen – sei es, um den dringenden Bedarf an Fach- und Hilfskräften zu decken oder um soziale Verantwortung zu übernehmen (Knappert/ Ortlieb/Kornau/Maletzky de García/Van Dijk, 2023).
Langfristig Fachkräfte zu gewinnen und gleichzeitig einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, war auch für eine große österreichische Supermarktkette die Motivation dafür, eine spezielle Initiative zu starten. Ziel war es, innerhalb von zehn Jahren 100 Geflüchtete als Auszubildende einzustellen und ihnen nach dem Ausbildungsabschluss eine langfristige Perspektive im Unternehmen zu eröffnen, in der Regel als stellvertretende Filialleitung oder Leitung der Feinkostabteilung.
In diesem Beitrag stellen wir dar, wie „Supermarkt“ – so das von uns gewählte Pseudonym – dabei vorgegangen ist und welche Hindernisse aufgetreten sind. Dadurch sollen Personalmanagerinnen und Führungskräfte für die besondere Situation von Auszubildenden mit Fluchterfahrung sensibilisiert werden. Außerdem geben wir praktische Empfehlungen, von denen Ausbildungsbetriebe und Geflüchtete selbst profitieren können. Der Beitrag basiert auf einem umfangreichen Forschungsprojekt zur Arbeitsplatzintegration von Geflüchteten (Ortlieb/Glauninger/Weiss, 2021; Ortlieb/Ressi, 2023).